Krimimama – Schreiben mit Kindern

Über das Schreiben, den Alltag und den Rest der Welt – ein Blog von Kristina Herzog

Diese Tage…

Heute ist wieder einer dieser Tage: Nach einem schönen langen Spaziergang (zum Teil sogar im Regen), ein bisschen Haushalt und Verwaltungskram setze ich mich an den Computer um mit dem täglichen Tagwerk zu beginnen.

Ich bin hochmotiviert, denn beide Kinder haben heute länger Schule, was bedeutet, dass mein Arbeitszeitfenster größer ist und am Nachmittag steht nur ein Termin an, den Kind 1 aber locker alleine wuppen kann. Aber: der neue Roman steht kurz vor dem Abschluss und bei mir hat das dann immer die unangenehme Folge, dass ich unsicher und verletzlicher werde. Unsicher, ob der Roman eine gute Atmosphäre erzeugt, ob die Figuren authentisch sind, ob ich keine logischen Fehler in dem Manuskript habe und, und, und…. Und dann kommt auch noch diese Mail, die deine Welt zum Schwanken bringt und die noch heftigere Zweifel auslöst. Es ist eine einfache Absage auf eine Anfrage, die ich bereits vor mehreren Monaten gestellt habe und sie gehört zum Leben eines Autors wie das tägliche Schreiben. Diese Absagen sind lästig und nicht gerade dazu geeignet, die Laune zu heben, aber an guten Tagen kann man sie händeln und mit ihnen leben wie mit Steinchen, die sich an heißen Sommertagen in die Sandale verirrt haben. Wenn du allerdings schon mit dieser Roman-Endunsicherheit zu kämpfen hast, kann das einen zumindest kurzfristigen Weltuntergang bewirken.

Um es so zu sagen: Ich brauchte mehrere Anläufe und ein paar tröstende Macarons, um wieder in den Roman tauchen zu können und weiterzuschreiben. Aber dieses Zweifeln gräbt weiter in meinem Innern herum und raunt mir zu: „Glaubst du wirklich, dass es gut ist, wie es ist?“ Und mein unsicheres Ich johlt: „Nein, natürlich nicht!“

Die Moral von der Geschichte? Keine Ahnung. Ich wollte euch nur wissen lassen, dass es an manchen Tagen härter als an anderen Tagen ist, kreativ zu sein und etwas Neues zu erschaffen. Und jetzt geh ich mein unsicheres Ich streicheln. Vielleicht wird es ja noch etwas mit uns. Spätestens, wenn der Roman fertig ist!

Lerne von den Großen: Lass dich von allem um dich herum inspirieren

J.R.R. Tolkien, der große alte Herr, der den Hobbit, das Silmarillion und den Herrn der Ringe erschaffen hat, sagte einmal: „Es gab da einen neugierigen alten Mann in der Nachbarschaft, der immer auf der Jagd war nach herumfliegenden Klatsch, Wetter-Weisheiten und derlei. Um meine Söhne zu amüsieren, habe ich ihn Gaffer Gamgee genannt und der Name wurde Teil der Familien-Überlieferung für die Bezeichnung solcher Burschen. Damals habe ich den Hobbit begonnen.“

Bei mir ist das ähnlich:  Ich werde erstaunlich häufig gefragt, wie ich denn auf die Dinge komme, die ich so schreibe. Zunächst mal: Nein! Ich habe noch niemanden umgebracht und habe derzeit auch keinerlei  Pläne in der Hinsicht. Aber es hat mir schon immer Spaß gemacht, Menschen und ihr Verhalten zu beobachten. Erlebnisse, Orte, die ich gesehen oder an denen ich gelebt habe, Ereignisse, vieles findet irgendwann einen Weg in meine Geschichten. Meist passiert das Ganze allerdings erst sehr viel später, wenn alles durch meine Gehirnwindungen spaziert ist und dort eine Weile geruht hat, dann drängt es wieder ans Tageslicht und verlangt Beachtung.

Ich profitiere in dieser Hinsicht natürlich auch von meinem Jurastudium. Die Fälle, die ich dort bearbeitet habe, die aufgeschnittenen Leichen in der Rechtsmedizin oder auch die Gerichtsverfahren, die ich begleitet habe, inspirieren mich. Als ich in der Mitte meines Studiums von Berlin nach Heidelberg gewechselt bin, schockierte mich der Studienberater zunächst mit der Frage, was ich denn in der Provinz wolle, wo Berlin doch so viel mehr biete. Herrje, ich hatte mir vorher noch gar keine Gedanken gemacht, was denn Provinz sein könnte und was nicht, aber an Heidelberg hatte ich dabei zumindest nicht gedacht. Noch während ich an dieser dahingeworfenen Äußerung knabberte, trat ich mein Praktikum bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg an. Ich kannte die Gegend und die Menschen noch kaum und man war offensichtlich beeindruckt von meinem Berliner Hintergrund und wollte mir etwas ähnlich Spektakuläres bieten wie man in Berlin vermutete. Jedenfalls bekam ich die ganzen Akten mit den ungeklärten Mordfällen vorgelegt mit der Weisung, sie durchzuarbeiten. Es war gruselig: Die Tatsache, dass diese Morde ungeklärt und damit ungesühnt waren, die Mörder also noch frei herumliefen und dann auch noch diese fürchterlichen Tatortfotos voll mit Blut und toten Menschen.

Wenn ich mit der Straßenbahn nach Hause fuhr, sah ich jeden misstrauisch an. Jeder hier konnte einer der Mörder sein. Hätte ich damals schon Krimis geschrieben, hätte ich das Ganze kanalisieren können und wäre nicht ganz so gefangen gewesen. So brauchte ich eine Weile, bevor ich meine Zurückhaltung gegenüber der einheimischen Bevölkerung langsam ablegte, die ich aufgrund ihres badischen Zungenschlags sowieso kaum verstand.

Aber jetzt ist es endlich an der Zeit, diese Erfahrungen in selbstverständlich abgewandelter Form zu verarbeiten. Ich muss jetzt an meinem neuesten Krimi weiterarbeiten. Tatort Marokko. Fröhliches Morden allerseits!

Sei offen für Feedback, aber nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen

Neil Gaiman, Autor zahlreicher Science-Fiction- und Fantasygeschichten, Comics und Drehbücher, sagt: Wenn die Leute dir sagen, dass etwas falsch ist oder für sie nicht funktioniert, haben sie fast immer recht. Wenn sie dir genau sagen, was sie für falsch halten und wie du es in Ordnung bringen sollst, haben sie fast immer unrecht.

Es gleicht natürlich einer Mutprobe, eine Geschichte, die man monate-, manchmal sogar jahrelang aufgezogen hat wie ein eigenes Kind, in die Welt hinauszuschicken. Man fühlt sich wie früher zu Weihnachten: Eine fürchterliche Aufregung ergreift von dir Besitz und du bist neugierig auf das, was da kommen mag. Die erste Rezension oder Kritik zu der Geschichte ist unglaublich aufregend. Und es streichelt die nervöse Autorenseele ungemein, wenn da etwas Positives zurückkommt. Genauso ist das natürlich auch bei Testlesern, Freunden, Familienangehörigen, ja eigentlich bei jedem, der dein Buch gelesen hat. Und es wird auch nicht weniger: Jede Rezension wird mit Spannung erwartet, jedes Interview nervös gelesen. Und wenn es gut ist, ist Party angesagt – zumindest innerlich. Kurz gesagt: Wenn man Bücher schreibt, erlebt man bei jedem ein Extra-Weihnachtsfest.

Hart kann es werden, wenn man auch nicht so Erfreuliches zu hören bekommt, denn man muss aufpassen, dass es ist leicht, das auf sich persönlich, und nicht auf den Text zu beziehen. Der mag mein Buch nicht, also mag er auch mich nicht! Auch ich habe da ein paar hübsche Momente hinter mir, bin aber inzwischen wesentlich cooler geworden. Und seien wir ehrlich: Jede Meinung hilft uns, die Geschichte in einem anderen Licht zu sehen, denn jeder Leser geht mit seiner ureigenen Haltung an den Roman und entdeckt andere Dinge, eröffnet durch seine Sicht sogar eventuell neue Möglichkeiten. Die Leserunde auf Lovelybooks, die ich für Abschiedskonzert gemacht habe, und die zahlreichen Bitten nach einer Fortsetzung, haben letztendlich mit dazu geführt, dass ich die Geschichte um Alexander Rosenberg und Kathleen Neubauer weiterführe.

Also: Hört euch an, was eure Kritiker euch zu sagen haben und wägt ab, was ihr daraus mitnehmen könnt. Wenn es keine Internettrolls sind, kann es euch auf eine andere Ebene tragen!

Buchmesse Leipzig – Und wie war es so?

Jawoll, ich war dort. Man mag es kaum glauben, aber es war meine erste Buchmesse. Und so war ich auch nicht zwingend vorbereitet auf das, was mich dort erwartete. Ich kannte natürlich die vielen schönen Fotos auf Facebook, wie lächelnde Autoren neben noch stärker lächelnden Verlegern stehen, hinter sich die unendlichen Weiten der ausgestellten Bücher. Und ich kenne die Grüne Woche, die alljährlich im Januar in den Messehallen unter dem Funkturm stattfindet. Alles zusammen hat dann das Bild ergeben, dass ich mir in meinem Kopf zurechtgemantscht habe und das meine Erwartung für die Buchmesse war.

Ich kann es euch gleich sagen: Es ist anders. Das erste, was mir auffiel, war die Fülle. Wir kamen direkt aus Berlin und nach einer zweistündigen Fahrt (die letzte halbe Stunde für die letzten fünf Kilometer vor der Leipziger Messe) hat man manchmal das Bedürfnis, seinen Bedürfnissen nachzukommen, sprich: eine Toilette aufzusuchen. Leider hatten noch eine ganze Menge anderer Leute das Bedürfnis, so dass die Wartezeit vor der Damentoilette eine gute Viertelstunde betrug. Unterhaltsam war das Ganze allerdings durch die vielen Cosplayer, die die parallel stattfindende Mangamesse in Halle 1 besuchten. Ich muss sagen: ich bin voll Bewunderung für die Begeisterung, mit der sich die – meist jungen – Menschen in aufwendig gestaltete Kostüme zwängen, unabhängig von Kälte und mit (zumindest dem Anschein nach) schmerzenden Füßen in oft unglaublich hohen Schuhen.

Als wir die Toilettenhürde überwunden hatten, stürmten wir hinauf in die Hallen. Doch das, was ich dort sah, unterschied sich doch erheblich von dem Bild, das ich in meinem Kopf konstruiert hatte. Die Stände waren viel kleiner als erwartet und auch kaum geschmückt (im Gegensatz zu den Ständen auf der Grünen Woche, die ein wesentlich bunteres Bild abgeben, vielleicht vergleichbar den Rosenmontagsumzügen, die aber für uns Berliner zum größten Teil eine fremde Welt sind).  Derartig ernüchtert lief ich durch die Hallen, die vor Menschen nur so barsten. Unglücklicherweise war mein erster Messetag der am besten besuchte der gesamten Messe und ich als Hochsensible schwer geschockt. Trotzdem fanden wir uns relativ schnell zurecht und wurden so auch fündig: Zuerst stießen wir auf den Stand des FDA, wo ich am nächsten Tag mein Interview mit Dr. Uwe Kullnick führen sollte und eine Halle weiter fanden wir auch meinen Verlag. Ein paar Stunden später stand meine erste Lesung auf der Buchmesse auf dem Plan.

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Die Toilettenlage hatte sich mittlerweile dramatisch verschärft, so dass es sinnvoll war, gut zu planen, wann man sich anstellt, um sich vor der Lesung noch ein wenig frisch zu machen. Leider überzog der vor uns lesende Benedict Wells seine Lesezeit ein wenig, aber irgendwann konnten wir unsere Plätze auf der Bühne entern. Die Lesung war gut besucht, so um die 100 Leute lauschten unseren mörderischen Geschichten und ich durfte als Erste mit Abschiedskonzert beginnen. Eigentümlich war das Ganze, weil der Raum zwar von der großen Halle vier abgetrennt war, aber immer noch das Stimmengewirr von draußen hineindrang, doch die Mikrofone taten ihren Dienst. Der Bücherstand war danach gut besucht und insgesamt war die Lesung ein Erlebnis, das ich sehr gerne wiederholen möchte.

Meine Füße haben sich an dem Abend äußerst undankbar verhalten und ließen sich kaum aus dem Schuhen schälen, die ich aufgrund der aufgerissenen Blasen aber auch gar nicht mehr anziehen wollte (ist aber auch immer eine schwierige Geschichte mit meinen Riesenfüßen).  Trotzdem humpelte ich noch zum dem abendlichen Verlagsessen und es war wirklich nett, die anderen Autoren näher kennenzulernen und ein wenig zu plauschen.

Am nächsten Tag stand als Erstes das geplante Interview an. Das lief auch soweit ganz gut, bis wir fertig waren und mein Interviewer feststellte, dass leider nichts aufgenommen worden war. Als ich anderthalb Stunden später wiederkam, wusste er auch, woran es gelegen hatte: Die Speicherkarte war noch vom Abend vorher im Laptop und nicht im Aufnahmegerät. Der nächste Versuch lief dann glatt und wir machten uns noch auf die Suche nach Mitbringseln für die Kinder. Dankenswerterweise signierte gerade Isabel Abedi ihre Bücher, was für unsere Tochter ein gelungenes Geschenk war. Danach war für den Signiertisch Joscha Sauer, der Autor von „Nicht lustig“ angesagt. Das Tolle war: Er hat für jeden auf Wunsch einen Charakter aus seinen Büchern ins Buch gemalt, bevor er unterschrieben hat. Was soll ich sagen? Das ideale Geschenk für unseren Sohn, allerdings zog es sich etwas hin, denn bis so ein Yeti gemalt ist, dauert das eben ein bisschen. Der Sonntag war allerdings um einiges leerer als der Samstag und so konnte auch ich etwas gelassener das Ganze angehen.  Während wir noch am Tag zuvor überzeugt waren, dass das hier nicht so dolle sei, waren wir uns am Sonntag einig, dass die Buchmesse uns nicht zum letzten Mal gesehen hat. Möge die die Inspiration mit uns sein, die bei der Rückfahrt mehr und mehr über uns kam. Bis zum nächsten Jahr in Leipzig!

Netzwerken, Netzwerken und nochmal Netzwerken

James Dashner, der Erschaffer der Maze Runner-Trilogie, ist der Meinung, dass Netzwerken der Schlüssel ist. Fast jeder Autor könne seiner Meinung nach seinen Veröffentlichungserfolg zurückführen auf jemanden, den er auf einer Schreib-Konferenz getroffen habe. Wenn du veröffentlicht werden willst, gebe es keinen besseren Tipp, als den, zu jeder Konferenz zu gehen, die du finden und dir leisten kannst.

So weit, so gut. Das ist natürlich mit Kindern, die noch auf dich angewiesen sind, leichter gesagt, als getan. Und auch wenn man auf einer Konferenz ist, musst du es erstmal hinbekommen, mit anderen ins Gespräch zu kommen, die du nicht kennst (gar nicht so einfach, wenn man schüchtern veranlagt ist, kann ich euch sagen). Aber es macht schon Sinn, zu netzwerken. Ich bin seit Jahren Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und habe schon viel Gutes durch den Verein erfahren. Meine erste Lesung hatte ich zusammen mit drei anderen Schwestern im Krimisalon der Bruno-Lösche-Bibliothek. Ich war ungeheuer aufgeregt, aber dadurch, dass ich nicht alleine war, war alles viel einfacher. Und abgesehen davon hätte ich die Lesung gar nicht erst bekommen. Doppel-Win sozusagen.

Seit einiger Zeit bin ich auch im Syndikat Mitglied. Im letzten Jahr habe ich es auch geschafft, zum ersten Mal eine Criminale zu besuchen. Das ging aber auch nur, weil sie in Büsum stattfand und dort an der Nordsee kaum Pollen fliegen. Daher bin ich auch dieses Jahr in Marburg nicht dabei. Aber ich profitiere immer noch von den Impulsen, die ich aus Büsum mitgenommen habe.

Dieses Jahr geht es das erste Mal für mich auf die Leipziger Buchmesse. Ich freue mich schon, bin aber auch gespannt, welche Erfahrungen ich dort machen werde. Auf jeden Fall wird es interessant: Am 19. 3. lese ich von 15 bis 16 Uhr in Halle 4 , Stand B 301/401 aus Abschiedskonzert und am 20. 3. werde ich um 10 Uhr 30 in Halle 5 Stand E 402 interviewt. Aufregend und vor allem: viele Möglichkeiten zum Netzwerken!

Lerne von den Großen: Kenne dein Publikum

Suzanne Collins, die Autorin von „Hunger Games“,  bringt es auf den Punkt: du musst zum einen wissen, für welches Publikum du deine Geschichte schreibst und zum anderen den Leser immer im Kopf behalten.

Besonders deutlich wird der Unterschied bei einer Kindergeschichte im Vergleich mit einem Roman für Erwachsene, denn beides erfordert einen unterschiedlichen Stil, eine andere Erzähltechnik und ein anderes Vokabular. Wenn man sich also für eine Zielgruppe entschieden hat, ist es wichtig, während des gesamten Schreibprozesses diese im Blick zu behalten und nicht zu vergessen, für wen man schreibt.

Ich finde es für mich immer recht schwer, festzulegen, wer denn die genaue Zielgruppe meines Buches ist. Außer natürlich die Unterscheidung, ob ich einen Kinder- oder Erwachsenenkrimi schreibe, denn hier liegt die andere Herangehensweise auf der Hand. Aber einige Agenturen und Verlage verlangen auch bei der Bewerbung um eine Zusammenarbeit eine Einschätzung der Zielgruppe und das bringt mich immer wieder ins Straucheln. Das liegt aber vor allem daran, dass diese Einordnung für mich beim Schreiben nicht so relevant ist. Ich streite nicht ab, dass ich unbewusst doch ein Bild meines Publikums habe, schließlich treffe ich ja dankenswerterweise auch immer wieder Leser auf meinen Lesungen und tappe daher nicht völlig ahnungslos durch die Schreibwelt. Angesichts des Erfolges von Frau Collins werde ich aber schleunigst in mich gehen und daran arbeiten, diesen Aspekt des Schreibens stärker zu beachten. Also zumindest werde ich es versuchen … beim nächsten Buch … vielleicht!

Lernen von den Großen: Halte durch, gib nicht auf!

John Green, der Autor von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, hat festgestellt, dass egal, ob du ein Buch liest oder schreibst, es keine Magie braucht, von der Mitte eines Buches zu seinem Ende zu kommen: Du musst einfach durchhalten.

Auch wenn es zwischendurch hart ist – und ich kann euch sagen: Das ist es immer mal wieder – muss man durchhalten, um ein Buch, das einem zwischendrin häufiger verrückt, blöd, sinnlos erscheint, weiterzuschreiben, weil es sonst nie von einem Manuskript zu einem Buch werden kann. Gut, gut, es gibt Ausnahmen. Nicht alles, was je geschrieben wurde, muss zwingend zum Buch werden. Aber wenn J. K. Rowling, Veronica Roth oder John Green nicht durchgehalten hätten, würde es das eine oder andere Meisterwerk nicht geben.

Es ist witzig, wie häufig ich gefragt werde, wie das denn so mit dem Schreiben ginge. Viele haben da noch die romantische Muse im Hinterkopf, auf die der Schriftsteller geduldig wartet, um dann in einem Rausch ein Manuskript niederzuschreiben, das natürlich keiner Überarbeitung geschweige denn eines Lektorats bedarf. Das Warten auf die Muse kann ein bisschen schwierig sein, wenn du zwei Kinder hast, die bekocht und zumindest nachmittags betreut werden wollen. Wenn ich da auf der Chaiselongue ausgestreckt auf die Ankunft der Muse wartete, wäre der Vormittag und damit meine Hauptschreibzeit vorbei und meine Laune wäre so dermaßen im Keller, dass sich die Muse tagelang nicht auf zweihundert Meter herantrauen würde. Also muss ich, auch wenn ich mich für gerade nicht so musengeküsst halte und meine Mittelbuch-Zweifel aufkommen, einfach weiterschreiben. Inzwischen tue ich das auch knallhart. Im Notfall kann ich den grausamen Teil ja in der Überarbeitung ändern oder gar streichen. Interessanterweise ist es beim späteren Durchlesen häufig gar nicht so schlimm, wie es mir in jenem Moment dünkte.

Daher mein Tipp: Halte durch, schreib weiter und schau, was am Ende rauskommt. Vielleicht ist es ja ein Meisterwerk! J

Lernen von den Großen: Geduld üben

Veronica Roth, die Erschafferin der unglaublich erfolgreichen Divergent-Trilogie, empfahl Autoren in einem 2012 erschienenen Interview geduldig zu sein.  Sie bezog das nicht nur auf das Warten auf Antworten von Agenten, Verlagen oder Kritikern, sondern auch auf die Geduld im Hinblick auf sich selbst und die Pläne, die man hat. Und auch wenn die zweite, dritte oder vierte Chance erst das Erhoffte bringt, sei es auch in Ordnung.

Ich muss sagen, dass sie mich ja damit erwischt hat. Geduld ist wahrhaftig nicht meine Stärke. Ich arbeite daran, geduldig zu sein, aber hart ist es immer noch. Recht hat sie trotzdem. Es klappt nicht alles gleich im Leben. Wenn man schon vor dem alles entscheidenden Versuch das Handtuch geschmissen hat, ist man allerdings blöd dran, denn dann wird die Möglichkeit, die das Schicksal vielleicht doch für uns vorgesehen hatte, ungenutzt verpuffen.

Das bedeutet aber auch, dass man nicht, kaum dass das Wort ENDE unter dem Manuskript steht und die Druckerfarbe noch am trocknen ist, das Manuskript in einen Umschlag wirft und postwendend an den nächsten Verlag schickt. Es ist manchmal hart, abzuwarten und erst einmal, zweimal, dreimal das Manuskript erneut zur Hand zu nehmen und wieder und wieder zu überarbeiten. Aber das ist nun einmal ein wichtiger Teil der Arbeit und entscheidend für die letztendliche Qualität des Manuskripts. Ich wundere mich immer wieder, wie viel mir auch beim x-ten Durchgang noch auffällt, das geändert werden muss. Und diese Bereitschaft ist leider unerlässlich, um dann auch – hoffentlich – einen Verlag zu finden, denn das ist heutzutage häufig schwieriger als gedacht, aber das ist ein anderes Thema.

Daher der Ratschlag von der Queen of Impatience: Übt euch in Geduld, es wird sich auszahlen!

Lerne von den Großen: Planen

Wie man an einen neuen Roman heran geht, das ist ja so eine Sache: Der eine setzt sich hin und lässt sich vom Flow tragen. Er tanzt mit der Muse und öffnet der Kreativität Tür und Tor.  Der andere geht pragmatischer an die Sache heran und plant den Ablauf, die Figuren, ja sogar jede Szene.

Zu Beginn meiner Schreibreise habe ich mir nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht, wie ich anfange. Ich habe mich einfach hingesetzt und geschrieben. Go with the flow, sozusagen. Das war aber auch noch etwas einfacher, denn ich habe mich nicht gleich an ein ganzes Buch gesetzt, sondern Kurzgeschichten als eine Art Fingerübung benutzt. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass der Überarbeitungsprozess so wesentlich aufwendiger war, schließlich soll die Geschichte ja knackig zum Ziel führen und die Muse ist da manchmal etwas unberechenbar und lässt einen verschiedene Umwege nehmen. Aber all das hat etwas Feinsinniges, etwas Bachmann-Preis orientiertes.

Ich bin dann relativ schnell dazu übergegangen, meine Geschichten zu planen. Wahrscheinlich bin ich tief in meinem Innern ein strukturierter Typ. Deswegen lag mir das Jurastudium ja auch gut: Streng logisch subsumieren ist mein Ding. Anfangs plante ich locker, nur ein paar Eckdaten der Geschichte, inzwischen bin ich dazu übergegangen, einen akribischen Plan der Geschichte zu erstellen, bevor ich mit dem eigentlichen Schreiben beginne. Ich plane jedes Stadium, jede Szene durch. Gut, manchmal machen mir die Figuren einen Strich durch die Rechnung, weil sie ihren eigenen Kopf haben, aber das ist – wie gesagt – für mich ein Qualitätsmerkmal für glaubwürdige Charaktere.

Und interessanterweise verfährt J. K. Rowling genauso. Bei Pinterest und Facebook kursiert eine eng beschriebene Seite, auf der sie genauestens plant, was bei Harry Potter passiert. Siehste, hätte ich doch gleich auf sie gehört, dann hätte ich mir die eine oder andere harte Stunde erspart.

Wie erfindest du eigentlich deine Figuren?

Das ist drolligerweise eine Frage, die mir sehr häufig gestellt wird, wenn die Leute erfahren, dass ich Autorin bin. Es scheint eine schwierige Sache zu sein, obwohl das für mich inzwischen das kleinste Problem ist.

Ich sage dann häufig: Ich finde sie überall. Sie laufen auf der Straße, sitzen in der U-Bahn  im Wartezimmer eines Arztes oder sogar im Dschungelcamp. Wenn man die Augen offen hält, springen sie einen an. Und nein: um die nächste Frage gleich zu beantworten: Ich beschreibe nicht einfach Leute, die ich kenne oder die mir begegnet sind. Das habe ich am Anfang gemacht, einfach weil ich es noch nicht besser konnte. Heutzutage läuft das ein bisschen ausgefeilter: Ich liebe es schon immer, Menschen zu beobachten. Ihr Verhalten zu studieren, zu interpretieren und zu analysieren gehören zu meinen allerliebsten Beschäftigungen. Und so fällt es mir auch nicht schwer, glaubhafte Figuren zu konstruieren. Es ist wie in der Hexenküche: Ich nehme ein bisschen von diesem Menschen, ein wenig von dem und eine Eigenart von einem anderen, mixe das Ganze mit dem Aussehen von jenem und gebe noch das Talent eines anderen hinzu. Dann sehe ich mir diese Figur an, die ich da geschaffen habe und gehe eine Liste durch, die ich mir im Laufe der Zeit geschaffen habe. Darin stehen so Sachen wie: Lieblingsessen, bevorzugte Kleidung, Hobbies und ähnliches. Das hilft mir, die Figur auszuformen, sie bis ins kleinste Detail zu kennen.

Im Idealfall freunde ich mich mit der Figur an und am Ende eines Buches fällt es mir schwer, Abschied zu nehmen. Aber manchmal muss man das auch gar nicht, denn das sympathische Ermittlerpaar Alexander Rosenberg und Kathleen Neubauer aus „Abschiedskonzert“ lebt, liebt und fahndet auch in meinem aktuellen Buch, an dem ich gerade schreibe. Was soll ich machen? Sie sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie nicht mehr missen möchte, auch wenn ihnen schon hier und da Schreckliches passiert, aber das ist eben der Preis fürs Mit-mir-Arbeiten ;).